Wenn am 1. November der TCS New York City Marathon gestartet wird, richtet sich ein besonderer Blick auf Dave Obelkevich. Der 83-Jährige gehört längst zur Geschichte dieses Rennens – und könnte sie in diesem Jahr noch einmal weiterschreiben. Obelkevich peilt seinen 50. Zieleinlauf beim New York City Marathon an. Die Konstellation ist besonders stimmig, denn 2026 feiert der berühmte Fünf-Borough-Kurs zugleich seinen 50. Geburtstag.


Ein Stück Marathon-Geschichte


New York Road Runners beschreibt Dave Obelkevich als den am längsten aktiven „Streaker“ des Rennens. Er ist der einzige Läufer, der seit der Ausweitung des Marathons auf alle fünf Stadtbezirke im Jahr 1976 jede Austragung des 5-Boro-Rennens beendet hat. Schon vor der heutigen Ära war Obelkevich Teil der Veranstaltung: 1974 finishte er den damaligen Central-Park-Marathon, 1975 musste er aufgeben. Seit der großen Streckenreform 1976 aber ist seine Serie ungebrochen.


Dass ausgerechnet 2026 die Marke von 50 New-York-Finishes fallen könnte, gibt der Geschichte zusätzliche Strahlkraft. Für viele Läufer ist schon ein einziger Start in New York ein Lebenstraum. Obelkevich steht nun davor, zum 50. Mal jene Ziellinie zu erreichen, die für Generationen von Marathonläufern zu den berühmtesten der Welt gehört.


Die Faszination des New-York-Marathons


In einem NYRR-Rückblick auf die frühen Jahre des Rennens erinnert sich Obelkevich besonders an die Atmosphäre der ersten großen Austragung über alle fünf Boroughs. Die Menschenmassen entlang der Strecke seien damals überwältigend gewesen. Gerade dieser Wandel vom vergleichsweise kleinen Central-Park-Rennen zum weltberühmten Stadtereignis macht seine Serie so außergewöhnlich: Obelkevich war praktisch bei jeder Entwicklungsstufe des modernen New York City Marathon dabei.


Zugleich zeigt seine Geschichte, wie eng Laufkultur, Kontinuität und persönliche Leidenschaft zusammenhängen. Während sich Spitzensport, Ausrüstung und Organisation in fünf Jahrzehnten drastisch verändert haben, ist der Kern derselbe geblieben: 42,195 Kilometer, getragen von Disziplin, Ausdauer und Begeisterung.


Mehr als nur eine Randnotiz


Für den diesjährigen Marathon ist Obelkevich deshalb viel mehr als eine nette Begleitgeschichte. Er steht für die Tradition des Rennens und für die generationsübergreifende Kraft des Laufens. Sollte ihm das 50. Finish gelingen, wäre das einer der emotionalen Momente des Marathon-Wochenendes. Für viele Teilnehmer dürfte genau das ebenfalls inspirierend wirken: zu sehen, dass Laufen nicht nur eine Frage von Zeiten und Platzierungen ist, sondern auch von Beständigkeit, Freude und einem langen Atem über Jahrzehnte hinweg.


Im Jubiläumsjahr des 5-Boro-Kurses bringt Dave Obelkevich damit genau das auf den Punkt, wofür der New York City Marathon seit Jahrzehnten steht – Geschichte, Vielfalt und die besondere Magie eines großen Lauftages.


Wie alles begann


Die ersten New Yorker Marathonjahre waren mit der heutigen Großveranstaltung kaum vergleichbar. Vor der Streckenerweiterung liefen die Teilnehmer ihre Runden vor allem im Central Park. Obelkevich beendete dort bereits 1974 das Rennen. Erst seit 1976 verbindet der Kurs Staten Island, Brooklyn, Queens, die Bronx und Manhattan. Über die Jahrzehnte hat er deshalb nicht nur viele persönliche Kilometer gesammelt, sondern auch miterlebt, wie ein lokaler Wettkampf zu einem der weltweit bekanntesten Marathons wurde.


Die Dimension seiner Ausdauer


Nach einem Bericht der Washington Post hat Obelkevich in seiner Laufkarriere insgesamt 115 Marathons und mehr als 200 Ultramarathons absolviert. Seine schnellste New-York-Zeit erreichte er 1982 mit 2:40 Stunden. Inzwischen geht es ihm weniger um das Tempo als darum, die Strecke weiterhin zu bewältigen. Seit Problemen mit dem Gleichgewicht lässt er sich bei dem Rennen begleiten. Seine Stieftochter hat ihn zuletzt als Guide unterstützt und will dies auch 2026 tun.


Das macht die Geschichte besonders: Hier steht kein professioneller Rekordversuch auf dem Programm, sondern die Fortsetzung eines persönlichen Lebenswerks. Dass sich Zeiten und körperliche Möglichkeiten mit zunehmendem Alter verändern, gehört dazu. Sein aktuelles Ziel ist nicht die Uhr, sondern die Ziellinie.


Ein Jubiläum mit doppelter Bedeutung


Der New York City Marathon findet am 1. November 2026 statt. Sollte Obelkevich seinen geplanten Start erfolgreich beenden, fällt sein 50. Finish mit dem 50. Jahrestag der Fünf-Stadtbezirke-Strecke zusammen. Noch steht der Lauf bevor: Aus einer Startabsicht darf deshalb kein bereits erzieltes Ergebnis gemacht werden.


Quelle: New York Road Runners, Athletenprofil und Rückblick zur Laufgeschichte; Washington Post, 21. Oktober 2026.